Sonntag, 19. Mai 2013

Anbaden im Sommerbad Plötzensee

Immer wieder mal von gehört, aber noch nie da gewesen. Jedenfalls nicht um zu schwimmen. Heute morgen erstmal erwogen, ins deutlich nähere SSE zu gehen, dann aber keine Lust auf Slalomschwimmen um raumgreifende und -tretende Brustschwimmer gehabt. Dran erinnert, dass das Sommerbad Plötzensee dem Vernehmen nach einen etwa 250 Meter breiten Strand hat und damit einen ähnlich breiten = langen Schwimmerbereich bietet. Blieb die Frage nach der Wassertemperatur. Der freundliche Mensch am anderen Ende des Telefons versprach aber glaubhaft "um 20 Grad".

Ich also nix wie hin. Das Bad liegt quasi mitten in der Stadt zwischen Flughafen Tegel, dem nördlichen Charlottenburg und Wedding und ist super gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Vier Euro Eintritt gezahlt, durch das parkähnliche und noch leere Gelände Richtung Umkleiden und Strand marschiert.

Das Strandbad Plötzensee.
Der Umkleideraum ist alt und einfach, aber renoviert und sauber. Drei Duschen gibts auch, eine davon sogar mit warmem Wasser. Das allerdings bemerkte ich - nach der absolvierten Schwimmeinheit - erst, als ich gefühlt schon fünf Minuten vor einer der anderen beiden Kaltwasser-Duschen gezögert hatte. Also umgezogen, Klamotten im 1-Euro-Pfand-Spind verstaut (in vielen anderen Berliner Sommerbädern gibts nur Spinde, für die man ein eigenes Schloss mitbringen muss) und ab zum mäßig belebten Strand.

Dort schnell einen Überblick verschafft und die denkbar einfache Schwimmstrecke eingeprägt: Immer schön an der Wellenbrecher (!)-Leine lang, die auch noch alle 50 Meter eine knallrote Boje aufweist. Was sich dann als sehr praktisch erwies beim Sighten in den beiden Abschnitten, in denen es keine Leine (mehr) gab. Ratzfatz ins Wasser, das mehr oder weniger intensiv nach Wasservogel roch, aber das mit den 20 Grad kam hin. Ohne große Pausen insgesamt vier Mal die Leine rauf und runtergeschwommen, dabei immer brav Ausschau nach anderen Schwimmern gehalten, dann aber doch nur einem Schwan und einem Ruderboot ausweichen müssen. Letzteres nur, weil ich in die eine Richtung immer außerhalb des Schwimmerbereichs direkt an der Leine langgeschwommen bin, um sie in Atemrichtung im Auge behalten zu können. Dann irgendwann gemerkt, dass ich meine Ohrenstöpsel vergessen hab und diesen Umstand gleich mal als Ausrede genutzt ("das gibt bestimmt ne Ohreninfektion entweder vom kalten Wasser oder von dem Zeug, dass darin schwebt und nach Vogel riecht!"), um schon nach 42 Minuten und 2000 Metern das Wasser zu verlassen.

In der Zwischenzeit hatte sich der Strand etwas gefüllt, aber in der Umkleide war immer noch nix los. Dort dann irgendwann auch die Warmdusche entdeckt. Danach noch etwas das Gelände inspiziert ("Oh, ein Imbisstand mit lecker selbstgebratenen Hamburgern") und eine Cola gekauft, um vorsorglich die Dinge zu neutralisieren, die nicht in den Magen gehören, dort beim Schwimmen aber eventuell hingekommen waren. Dann noch schön auf die sonnige Terrasse neben dem historischen Eingangs- und Gastronomiebetriebsgebäude gesetzt und  ("Ach guck, im Crepes-Stand ist ja jetzt auch Betrieb") einen Crepes gegönnt und noch ein halbes Stündchen gelesen.

Fazit: Sehr schönes Sommerbad, sehr gut erreichbar, weitläufiges Gelände. Das Wasser hatte so früh im Jahr schon etwas arg viel "Geschmack", fühlte sich aber noch völlig ok an. Umkleiden und Duschen waren sauber, insgesamt in gutem Zustand und liebevoll dekoriert.

Viel Platz und das auch noch mitten in der Stadt.

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