Genau 13 Wochen vor Zürich stand mein erstes längeres Trainingsevent an: Vorgestern beim Cologne 12, einem Langstreckenwettkampf innerhalb des Swim and Run Cologne, wollte ich zum ersten Mal überhaupt 12 Kilometer am Stück schwimmen. Zwar sieht mein Trainingsplan derzeit nur 7 Kilometer für die wöchentliche lange Einheit vor, aber frau muss die raren Freiwasser-Langdistanz-Events nehmen wie sie kommen. Außerdem freute ich mich darauf, ein paar Langstreckenschwimmer zu treffen, die ich ewig nicht gesehen hatte oder bislang nur aus sozialen Netzwerken kannte.
Weil Wettervorhersage und Wassertemperaturen im Vorfeld nicht sonderlich ermutigend waren, hatte ich mein Ziel zwischenzeitlich etwas verzagt auf "mal sehen, wie lange ich durchhalte" heruntergeschraubt. Aber immerhin stand für mich schon Tage vor dem Event fest, dass der Neo zuhause bleibt. Jedenfalls bei Wassertemperaturen über 15 Grad.
Die waren am Wettkampftag auf stolze 16,8 Grad geklettert und pünktlich um 11 Uhr fiel der Startschuss - inmitten eines Hagelschauers! Neben rund 30 Cologne12-Teilnehmern gingen zeitgleich auch zwei Dutzend Cologne6-er auf die Strecke. Trotzdem gab es gerade mal eine Handvoll Schwimmer ohne Neo. Einige Long Johns waren noch zu sehen, also Neoprenanzüge mit langen Beinen, aber ohne Arme. Alle anderen starteten in sogenannten Fullys, manche sogar mit Neoprenkappe. Einmal im Wasser - und mit dem Wissen, dass die anfängliche Schnappatmung normal ist und sich nach wenigen Sekunden beruhigt - fühlten sich die knapp 17 Grad für mich die ganze Zeit okay an.
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| Fast schon kuschelig. |
In den folgenden Stunden wechselten sich Sonne und
Regen ab, nur der böige Wind blieb und nervte gelegentlich kolossal sorgte für echtes Freiwasserfeeling auf der Regattastrecke, auf der wir jeweils einen Kilometer hoch und dann wieder zurückschwimmen mussten. An jedem Ende wartete ein
Verpflegungsponton, den bei Km1 mussten wir in jeder Runde ansteuern, um uns ein
Kontrollbändchen fürs Handgelenk abzuholen. Unsere Bahn war ca 40 Meter breit und wurde auf der einen Seite durch das Ufer und auf der anderen durch handballgroße Bojen begrenzt.
Die Strecke selbst war also recht einfach zu schwimmen: Hoch konnten wir uns an den Bojen orientieren oder - sehr praktisch - auch unter Wasser an der Leine, die die Bojen miteinander verband. Runter mussten wir am
Ufer langschwimmen und dabei aufpassen, dass wir nicht in
die riesigen Ruderregatta-Entfernungsangaben-Schilder donnerten, die jeweils circa 5 Meter in unsere
„Bahn“ ragten.
Weil ich nicht wusste, was der Veranstalter an Verpflegung stellen würde (gesehen hab ich dann Cola, Wasser, rosa Iso-Drink, Bananen und GU-Gels), hatte ich Gerolsteiner natur, zwei PowerBar Gels und - zum sich unterwegs drauf freuen können - drei Hipp-Kinderfrüchtemus-Gels auf einem der Pontons in einer Klappkiste deponiert. Nach 3.000 Metern gabs ein Gel und ca 200ml Wasser, ab Kilometer 5 dann alle 1.000 Meter ein Stück Banane und Gel - jeweils wieder mit Wasser. Bei Kilometer 10 wagte ich ein kleines Experiment probierte erstmals ein GU-Gel ("aber bitte ohne Koffein"). Ging alles gut runter und blieb da auch. Ach ja, das Pieseln beim Kraulschwimmen in diesem doch recht kühlen Wasser klappte ebenfalls problemlos. :D
Und was soll ich sagen: Das Schwimmen selbst lief von Anfang prima, ich fand sofort in (m)eine "so kann ich ewig schwimmen-Geschwindigkeit" und hatte keine Sekunde lang Ausstiegsfantasien. Und ich musste kein einziges Mal aufs Brustschwimmen umsteigen - nicht an den Pontons, nicht an den Wenden, nicht zum Sighten und auch sonst nicht. Über weite Strecken
hat mir das alles sogar Spaß gemacht. Das wiederum fanden die Verpflegungs-Mädels auf dem einen Ponton wohl bemerkenswert und fragten dann bei jedem Boxenstopp, ob es immer noch Spaß mache. Außerdem ließen sie mich ab Stunde drei jedes Mal ungefragt wissen, dass ich nicht die letzte auf der Strecke sei.
Meine Platzierung war mir allerdings eh herzlich egal. Hatte mich außerdem gegen eine Uhr bzw gegen meine Garmin 310XT entschieden, es ging mir nur ums Durchhalten und ein Blick auf meine Rundenzeiten hätte mich garantiert aus dem Konzept gebracht. Zum Glück entdeckte ich auch die riesige Uhr des Veranstalters erst nach zehn Kilometern (da zeigte sie 3:48h an). Machte nix, ich war eh fest entschlossen, die restlichen zwei Kilometer auch noch zu schwimmen. Ich merkte zwar, dass ich deutlich langsamer geworden war und die Arme immer schwerer wurden, aber gefühlt hätte ich auch noch gut zwei weitere Runden drehen können.
Nach den 12 Kilometern zeigte die Uhr eine Zielzeit von 4:37h an. Das sind im Schnitt ca 23 Minuten je Kilometer (inklusive Verpflegungsstopps), im Becken schaffe ich bis Kilometer 6 einen Schnitt von gut 20min/km (mehr bin ich noch nicht am Stück geschwommen). Gemessen an den Bedingungen war meine Zielzeit aber gar nicht mal so schlecht. Wenn ich das Cologne12-„Tempo“ auch in Zürich halte, kann ich auch mein Ziel von "irgendwas zwischen 10 und 11
Stunden" schaffen. Das Zeitlimit des Veranstalters liegt
bei 12 Stunden.
Wie der Erstplatzierte des Cologne12, Alexander Studzinski, dieses Event erlebte, kann übrigens hier nachgelesen werden.


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