Sonntag, 5. Mai 2013

LDT vor Mallorca - Lektionen 1-5

Bin beim Langstreckentraining mit Swimtrek viel geschwommen diese Woche, allerdings deutlich weniger als bei meinem ersten Training dieser Art in 2012. Und trotzdem hab ich wieder eine Menge gelernt. Ansonsten ähnelten Zahl, Länge und das Setting der Schwimmeinheiten stark denen vom Vorjahr, aber das Training fand diesmal nicht vor Gozo statt, sondern vor Mallorca.

Swimtrek hat das LDT (= Long Distance Training) in der Hoffnung auf weniger bzw keine Feuerquallen von Gozo auf die Balearen verlegt. Aber leider fühlen sich die Feuerquallen der Sorte "Pelagia Noctiluca" (auch "Leuchtqualle" genannt) vor Mallorca ebenso wohl wie vor Gozo. Ihretwegen hab ich drei von insgesamt sechs Einheiten geschwänzt. Hatte wirklich keine Lust auf die peitschenhiebartigen Schmerzen, die sie verursachen können. Hab mich aber mutig aus Unkenntnis der Folgen mit einer anderen Feuerquallenart auseinander- und damit so richtig schön in die Nesseln gesetzt. Ha, schönes Wortspiel! : ). Nesseln tut sie nämlich, diese andere Art (siehe Foto unten), dafür schmerzt die direkte Begegnung nicht sonderlich, sie "kitzelt" eigentlich nur. Allerdings wird aus dem Kitzeln irgendwann fieses Jucken und die betreffenden Hautstellen sehen aus wie von leuchtend roten Masern befallen. Auch Tage nach der Begegnung jucken einige Stellen immer mal wieder, betroffen sind Kinn und Hals, beide Arme, Dekollete und Bauchregion, das linke Schulterblatt und der linke Oberschenkel. Sowas sieht übrigens auch nicht schön aus, ist aber nix im Vergleich zu den Schmerzen, die die Leuchtqualle verursachen kann.

Die anderen Schwimmer: Die Gruppe bestand wie im Vorjahr aus insgesamt 15 Leuten, betreut wurden wir von drei Trainern. Die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen aus England, Wales und aus Schottland. Dass zwei unserer Schotten Loch Ness als ihren Haussee bezeichnen und Helen darin sogar rund um Jahr schwimmt, fand ich besonders spannend. Für etwas internationales Flair sorgten die Kanadierin Deborah, Otto aus Südafrika und Jörg aus Hamburg. Fast alle aus der Gruppe sind erfahrene Freiwasserschwimmer, viele haben auch schon sehr lange Strecken oder sehr schwierige Strecken wie den Ärmelkanal (Solo und Staffeln), die Meerenge von Gibraltar, Lake Windermere (einfache und doppelte Querung), Robben Island, den Catalina Channel usw usw. absolviert. Mindestens fünf aus unserer Gruppe sind für ein Ärmelkanal-Solo im Sommer 2013 angemeldet, zu ihnen gehören Jackson und Susan.

Die Wassertemperatur lag bei ca 15 Grad und an den ersten beiden Tagen unserer Woche war es leider auch an der Luft nicht deutlich wärmer, außerdem regnete es immer wieder mal. Das machte die es für unsere Guides Kevin Murphy ("King of the Channel"), Cliff Golding und Fiona Southwell nicht leichter, auf uns aufzupassen. Unsere drei Boote hatten nämlich kein Dach... Zu unserem Glück schien aber ab Dienstag die Sonne und die Lufttemperaturen stiegen tagsüber auf gemütliche 20 bis 22 Grad Celsius.

Viel gelernt: Wie oben schon erwähnt, gab es einiges Neues für mich beziehungsweise neu war, dass ich bestimmte Erfahrungen selbst machen durfte. Ein paar dieser Lektionen habe ich nachfolgend aufgelistet. Diese Erfahrungen sind natürlich höchst subjektiv und sicher nicht für jeden Langstreckenschwimmer relevant. Die hier gewählte Reihenfolge ist eher zufällig und vollständig ist die Liste auch noch nicht. Hoffe, ich kann sie in den kommenden Tagen noch ergänzen.

Lektion 1: Obwohl ich deutlich weniger geschwommen bin als die anderen: Es war für mich - auch im Nachhinein - die richtige Entscheidung, nicht ins leuchtquallenverseuchte Wasser zu gehen, nachdem ich meist schon vom Boot aus die eine oder andere Qualle entdeckt hatte. Ich hätte einfach nicht vernünftig schwimmen können, weil ich ständig nach diesen Viechern Ausschau gehalten und mir dabei auf Dauer fast den Hals verrenkt und sowieso die Wasserlage versaut hätte (Kopf unter Wasser, aber dennoch zu hoch halten, um zu sehen, ob Quallen direkt unter der Wasseroberfläche schweben). Habe aber auch gelernt, dass es Feuerquallen gibt (die oben beschriebenen nämlich), die mir nicht so viel ausmachen.

Lektion 2: Vorsicht beim Feeding vom Boot aus: Meerwasser im Energydrink tut erstens dem Magen gar nicht gut. Zweitens treibt es durch das folgende Sich-Übergeben-Müssen und erstmal nichts mehr zu sich nehmen wollen die Auskühlung voran. Mir war nämlich gleich beim ersten Feeding, also nach etwa einer Stunde im Wasser, Salzwasser in den Becher mit dem Getränk geraten, der uns vom Boot aus gereicht wurde. Ich hatte den Wellengang unterschätzt und beim Wassertreten den Arm mit dem Becher nicht hoch genug gehalten. Und statt einen neuen anzufordern hab ich vom Meerwasser-Mix getrunken. Beim Weiterschwimmen wurde mir dann relativ schnell schlecht und ich musste mich zweimal übergeben und dabei schmerzhafte Magenkrämpfe verkraften. Danach wurds aber fix besser und ich bin noch eine ganze Zeit geschwommen. Hab dann allerdings vorsichtshalber zwei Feedings ausgelassen. Vielleicht wurde mir deswegen sehr schnell sehr kalt im gerade mal 15 Grad "warmen" Wasser. Aber immerhin: Ich war nicht seekrank und ich weiß jetzt, dass ich gleichzeitig schwimmen und mich übergeben kann und dass es dann wieder besser wird. :D

Lektion 3: Badekappe(n) und Schwimmbrille sollten nur so eng sitzen, dass sie noch guten Halt haben, aber keine Kopfschmerzen machen. Beim 3h-Schwimmen am Montag und bei meinem 3h:40min-Schwimmen am Dienstag bekam ich nach jeweils etwa 2 Stunden recht starke Schmerzen in/hinter der Stirn. Leider konnte ich das Brillenband der noch neuen Brille nicht erweitern. Die Kopfschmerzen verschwanden aber augenblicklich, als ich aus dem Wasser war und Brille und Badekappen abgenommen hatte. Werde künftig ausgediente Schwimmbrillen (=zerkratzte Gläser) nicht mehr komplett ausrangieren, sondern die Brillenbänder für längere Einheiten aufbewahren.

Lektion 4: Langsam schwimmen, also schwimmen ohne außer Atem zu geraten, fällt mir in Salzwasser deutlich leichter als im Süßwasser. Keine Ahnung warum, aber in Pool und See kann ich leider gar nicht "trödeln". Im Meer halte ich dagegen über eine längere Zeit ein Tempo, das mit ca 2,5km/h zwar langsamer ist als meine für Zürich angepeilte "Reisegeschwindigkeit" von 2,8km/h, mich aber gar nicht anstrengt. So trödeln zu können ist manchmal ganz praktisch, zum Beispiel um sich von einer anstrengenderen Teilstrecke zu erholen.

Lektion 5: Bis Zürich muss ich mental noch eine Schippe drauflegen, wenn ich die 26,4km oder umgerechnet 10 bis 11 Stunden durchhalten will. Statt 5 Stunden oder 14 Kilometer am Stück (sollte jeder Zürichseeteilnehmer vor dem Event wenigstens einmal gemacht haben) betrug meine Höchstleistung in dieser Woche "nur" 3h:40min bzw 8.700 Meter. Ja, mir war sehr kalt und ich fühlte mich auch sonst nicht sonderlich wohl (siehe Lektion 2), aber ich hätte dennoch die Zähne zusammenbeißen und zumindest 4 Stunden durchhalten sollen. Drin gewesen wärs. Aber die Aussicht auf die sonnige Wärme auf dem Boot war einfach zu verlockend. Und das Wasser war streckenweise sehr kabbelig und dadurch anstrengend zu schwimmen, was auch die für die Gesamtzeit geringen Zahl an zurückgelegten Kilometern erklärt. Bei ruhigerem Wasser und höheren Temperaturen wären in 3h:40min nämlich rund 10 Kilometer drin gewesen.

Eine meiner neuen "Freundinnen". Recht gut zu erkennen: Ihre Tentakel reichen bis zum rechten Bildrand.



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