Drei Wochen vor Zürich. Laut Trainingsplan standen 33 Kilometer an, verteilt auf 5 x 4 und 1 x 13. Aber weil ich in den vergangenen Monaten schon problemlos 9, 10 und 12 Kilometer am Stück geschwommen war, hatte ich mir als Long Swim fürs Wochenende 1x 20 statt 1 x 13 Kilometer vorgenommen. Damit folgte ich außerdem der Empfehlung einiger alter Hasen im Marathonschwimmer-Forum: Ungefähr drei Wochen vor dem geplanten Marathon absolvieren sie eine Trainingsstrecke mit bis zu 80 Prozent der angepeilten Langdistanz. Von Rapperswil nach Zürich sind es auf dem Papier 26,4km, laut Veranstalter können die schon mal 30 Poolkilometern entsprechen. Macht also ca 20-24 Kilometer fürs Testevent.
Andere Schwimmer gehen diesen Long Swim etwas anders an: Etwa drei Wochen vor dem Event schwimmen sie - verteilt auf zwei aufeinanderfolgende Tage - insgesamt so viele Stunden, wie sie beim geplanten Marathonschwimmen vermutlich brauchen werden. Wären bei mir 11 Stunden, was für die Generalprobe in Münster also zum Beispiel 1 x 8h und 1 x 3 bedeutete.
Ich wollte beide Empfehlungen kombinieren und nahm mir fürs Wochenende 1 x 20km und 1x 6-7km vor, in Stunden ausgedrückt also 1 x 7-8h und 1 x 2-2,5h. Stattfinden sollte diese Generalprobe beim "Day & Night in Münster", einem Langstreckenevent im Altarm des Dortmund-Ems-Kanal.
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| Ein Teil der Strecke. An den Kranwagen hängen die Scheinwerfer für die Nacht. |
Nach etwa 7-8 Kilometern beziehungsweis 2,5 Stunden spürte ich erstmals meine Schultern, zwischendurch auch mal das Kreuz. Also konzentrierte ich mich mehr auf eine saubere Technik - und auf meine Mitschwimmer. Zeitweise dürften mehr als 100 auf der Strecke unterwegs gewesen sein, ein paar "alte Bekannte" waren auch wieder dabei. Die Langstreckenschwimmer-Gemeinde ist halt relativ überschaubar. :-)
Ich schwamm vor mich hin und hielt die Verpflegungspausen trotz gelegentlicher kurzer Schwätzchen mit Zuschauern und anderen Schwimmern relativ kurz (30 Sekunden, selten auch mal 45-60 Sekunden). Irgendwann wurde es dunkel und ich musste mich trotz allmählicher eintretender Müdigkeit noch mehr auf andere Schwimmer konzentrieren und relativ häufig "Sichten". Obwohl an der Strecke riesige Scheinwerfer platziert worden waren, gab es dunkle Abschnitte, auf denen über gut 20 Meter kaum etwas zu erkennen war. Aber egal, ich fühlte mich recht gut und insgesamt schien die Atmosphäre entspannt.
Nach 5, 10 und 15 Kilometern vergewisserte ich mich bei den Helfern an der Zählstelle (wir mussten ihnen nach jeder Runde unsere Startnummer zurufen), dass wir den gleichen Zählstand hatten. Passte alles. Und mit im Schnitt 22,5 Minuten je Kilometer (inklusive Verpflegung) war ich für meine Verhältnisse (und verglichen mit meinen anderen Long Swims) sogar recht zügig unterwegs. Die letzten drei Runden zählte ich allerdings etwas ungeduldig herunter, freute mich dabei aber gleichzeitig über meine neue längste Distanz. Um 22:45 Uhr, also nach 7,5 Stunden, waren die 20 Kilometer geschafft!
Nach kurzer Akklimatisierung und einem alkoholfreien Weizenbier gings unter die kalte (!) Dusche, dann kurz zum Um-/Anziehen in den Camper auf der Wiese neben dem Start, dann wieder zum Start - auf der Suche nach was Essbarem. Mitternachtssuppe war angekündigt und wurde pünktlich ausgegeben. Genau das Richtige, dachte ich. Ich hatte kaum die Hälfte gelöffelt als mein Kreislauf wenige Minuten lang etwas schwächelte, aber immerhin noch anwesend war. Ich blieb einfach ruhig sitzen - unter den aufmerksamen Augen eines anderen pausierenden Schwimmers - und nach wenigen Minuten war der Spuk vorbei. An das Nichtstun musste sich mein Körper nach 7,5h Bewegung in waagerechter Position wohl doch erst wieder gewöhnen.
Ich sah dann lieber zu, dass ich ein paar Stunden Schlaf bekam und verzog mich in den Camper. Am Morgen gönnte ich mir ein gutes Frühstück, schwatzte mit anderen Schwimmern, beobachtete das Geschehen im Wasser und an der Verpflegungsstelle und ging um 10 Uhr nochmal für gute zwei Stunden beziehungsweise 6 Kilometer ins Wasser.
Mit meinen insgesamt 26 Kilometern belegte ich in der Frauenwertung ohne Flossen schließlich sogar den 4. Platz, nach zwei Neoprenschwimmerinnen mit 39 bzw 33 Kilometern und einer Bioprenschwimmerin mit ebenfalls 33 Kilometern.
Learnings
Verpflegung:
Wasser und SIS Gels vertrage ich anscheinend prima und ein Fruchtmus ab und an ist eine schöne geschmackliche Abwechslung. Power Bar Gels habe ich nur eins genommen, und das möglicherweise etwas weniger gut vertragen. Vielleicht war es aber auch bloß zu viel oder zu früh nach dem Gel in der Runde davor. Ein Jaffa-Keks zwischendurch schmeck toll und bringt Kalorien, muss aber zu lange gekaut werden und seine Schokolade klebt zu lange am Gaumen.
Langeweile:
Gabs nicht. Es war immer irgendwas zu tun: ich achtete auf andere Schwimmer, konzentrierte mich auf einzelne Technikaspekte (Hand/Unterarm, Körperrotation, Beinarbeit) und überlegte was ich als nächstes zu mir nehmen wollte.
Schmerzen:
Ja, gabs zeitweise. Erst im Kreuz. Dann auch in der linken Schulter. Nach Korrekturen im Schwimmstil verschwanden sie, dafür zog es dann irgendwann in den Oberarmen, vermutlich von der andauernen Anstrengung. Nach dem Schwimmen nahm ich deshalb eine Ibuprofen. Fühlte mich nach 7 Stunden Schlaf aber trotzdem erstmal wie durch den Wolf gedreht. Das verging zum Glück recht schnell und war nach dem Frühstück verschwunden. Die zwei Stunden am Sonntag schwammen sich dann jedenfalls problemlos.
Sonstiges:
So ein Trainingsevent bringt noch einmal eine Menge Zuversicht. Von 7,5 Stunden bis zu den voraussichtlichen 10,5-11 Stunden in Zürich sind es zwar noch einige Stunden und Meter, aber die scheinen aus jetziger Sicht absolut machbar - obwohl die Bedingungen in Münster natürlich nicht vergleichbar waren. Wir hatten keinen Wind, Strömungen gabs auch nicht und die Strecke war denkbar einfach.
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| Einstieg und "Zählstelle": Hier werden die Schwimmer beim Ein- und Ausstieg registriert und die Runden gezählt. |
Einen Bericht mit vielen Details zur Orga gibts auch beim Schwimmkalender.


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