"Wie oft musst Du denn da so schwimmen?" oder "Welchem Trainingsplan folgst Du?" werde ich meist gefragt, wenn Gesprächspartner von meinem Zürichsee-Abenteuer hören. Wenn die fragende Person selbst gar nicht bis mäßig sportelt, ist die Antwort schnell gegeben: "Drei- bis fünfmal pro Woche eine Stunde, in den letzten vier Monaten vor dem Event kommt noch eine längere Einheit dazu, die sich von anfänglich zwei auf etwa sechs Stunden steigert." Dann folgt meist Staunen, gelegentlich auch mehr oder weniger offenes Unverständnis ("Du bist ja bekloppt!") und erfreulich oft auch anerkennendes Gemurmel. Nachgefragt wird aber selten und wenn, dann irgendwann später.
Ausdauersportler, also Marathonläufer und -schwimmer oder Ironmandistanz-Triathleten, wollen es meist aber etwas genauer wissen. Dabei habe ich zu meiner Vorbereitung gefühlt erst mal gar nicht sooo viel zu sagen. Und dann dauerts meist doch etwas länger. ; ) Geschrieben sieht das dann mal so aus:
Mein Ziel
Ich will 26,4 Kilometer von Rapperswil nach Zürich schwimmen (ohne Neo), dabei das Zeitlimit (12 Stunden) unterschreiten, verletzungsfrei bleiben und auch nach Zürich noch Lust aufs Schwimmen haben. Disclaimer: Ich bin grundsätzlich nicht sonderlich ehrgeizig, wenns um Zeiten oder Platzierungen geht. Ich schwimme halt einfach gern vor mich hin...
Als vergleichsweise langsame Schwimmerin peile ich 10 bis 11 Stunden beziehungsweise 22 bis 23 Minuten je Kilometer an. Anders ausgedrückt sind das etwa 2600 Meter pro Stunde - inklusive ca 25 Trink-/Esspausen a 30-60 Sekunden. Und ich hoffe dabei natürlich auf eher ideale Bedingungen: wenig Wind/Wellen/Strömungen und eine Wassertemperatur um 21/22 Grad.
Trainingspläne
Ich habe keine frei verfügbaren, detaillierten Trainingspläne gefunden, wie es sie etwa für Marathonläufer gibt, die auf bestimmte Zeitziele hintrainieren. Und einen aufs Freiwasserschwimmen spezialisierten Trainer, der mir einen basteln würde, habe ich auch nicht. Aber: Es gibt ja dieses Internetz. Zum Glück!
Mein "Masterplan" besteht aus Teilplänen und Elementen, die ich online gefunden habe und "nach Gefühl" für mich anpasse.
Die Grundlage in Sachen Gesamtvorbereitungszeit und Umfang je Woche bildet dieser Plan.
Bei der Struktur, also Aufteilung der Wochen in Ausdauer/Grundlagenausdauer-, Technik- und Freiwasserskilleinheiten, halte ich mich grob an Empfehlungen von Swimsmooth im gleichnamigen Buch (Untertitel: The complete coaching system for swimmers and triathletes; gibts auch als eBook). Frei verfügbar ist übrigens dieses PDF von Swimsmooth. Ein Blick auf Seite 5 lohnt möglicherweise auch für jene meiner geschätzten Leser, die sich für den Hallstattmarathon angemeldet haben (siehe Spalte "2er-Staffel", d.h. jeder trainiert auf 10km).
Das Programm der jeweiligen Einheiten nehme ich wiederum aus dem Swimsmooth-Buch oder auch aus dem Marathonschwimmerforum.org im Lunchtime Set Strang - oder ich denke sie mir selbst aus. Und ein- bis zweimal pro Woche schwimme ich mit Triathleten in einem Verein.
Inspiration für die langen Einheiten (stehen ab Mitte April an) hole ich mir außerdem schon jetzt gern im Animal Set Strang der Marathonschwimmer. Da ist der Name Programm...
Trainingslager und -events
Eine Langdistanz-Trainingswoche vor/auf Mallorca und eine Schwimmwoche mit Langstreckenschwimmern aus Deutschland, England und den USA in den Seen um Feldberg stehen vor Zürich auch noch an. Und Freiwasser-Events mit Distanzen von 4,5 bis 12 Kilometer stehen ebenfalls auf dem Plan.
Mentales Gedöns
Ich lese. Viel. Sehr viel. Und zwar das, was Marathonschwimmer bloggen oder im oben schon erwähnten Forum schreiben. Seit meiner Langdistanzwoche in 2012 weiß ich, wie hilfreich diese Art "geistiger" Vorbereitung sein kann bzw wichtig das richtige "Mindset" ist. Hätte ich damals - vor der Woche - nicht wieder und wieder diesen Blogeintrag gelesen (und die beiden vorhergehenden), ich hätte vermutlich nach jeweils einer Stunde im 15 Grad kalten Wasser (ohne Neo!) die Segel gestrichen.
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