Samstag, 7. September 2013

Debriefing, Teil I


Fünf Wochen später. Zeit fürs Debriefing. Oder so etwas in der Art. Ich fange mal mit den messbaren Dingen an.

Spaß haben, durchhalten, im 12h-Zeitlimit des Veranstalters bleiben und Verletzungen vermeiden. Das waren meine schwimmerischen Ziele für Zürich. Soweit habe ich die auch alle erreicht. Die vielen Triggerpunkte, die meine Physiotherapeutin zwei Wochen nach dem Event zwischen meinen Schulterblättern und am linken Oberarm fand, ignorier ich hier jetzt mal geflissentlich.


DÌE VORBEREITUNG
Vorbereitungsdauer laut Trainingsplan:
Sieben Monate. Tatsächlich waren es krankheitsbedingt nur sechs. Reichte hin.

Zu schwimmende Kilometer laut Trainingsplan:
Etwa 500. Erreicht. 

Das Training:
  • Anfangs zwei bis drei, später bis zu sechs Einheiten in der Woche: davon zwei mit Triathleten im Verein, die eine oder andere mit Vereinskollegin Ines morgens im Freibad, der Rest allein.
  • Pläne für einzelne Einheiten hab ich mir im Marathonschwimmer-Forum abgeguckt, insbesondere hier und hier. Auch im Swimsmooth-Blog werden immer wieder mal Einheiten zur Verfügung gestellt, beispielsweise in einem Programm zur Vorbereitung auf den Rottnest Channel, ein in Australien sehr populäres 20km-Event (hier, PDF, S. 6-7). Und das Swimsmooth-Buch enthält eine ganze Reihe von Plänen beziehungsweise Modulen für einzelne Sessions und ihre Schwerpunkte (Ausdauer, Schnelligkeitsausdauer, Technik).
  • In Sachen "Langfristplanung" habe ich mich weitgehend an Empfehlungen des SV Limmat für ein 25 Kilometer-Event gehalten. Die richten sich an Leute, die "nur" ankommen wollen. Hat wunderbar funktioniert. Und sah in der Theorie so aus (zur praktischen Umsetzung dann mehr in Teil II):
    • 1.-4. Woche: 3 Trainings 3 km (total 9 km), 4 Ruhetage. [...] Die Zunahme des Trainingsumfangs darf pro Woche über den ganzen Zeitraum gesehen etwa 10% nicht übersteigen.
    • 5.-8. Woche: 4 Trainings 3 km (total ca. 12 km), 3 Ruhetage
    • 9.-12. Woche: 5 Trainings 3 km (total ca. 15 km), 2 Ruhetage
    • 13.-16. Woche: 5 Trainings 3 km, 1 Training 5 km (total 20 km), 1 Ruhetag
    • 17.-20. Woche: 5 Trainings 3 km, 1 Training 7 km (total ca. 22 km), 1 Ruhetag
    • 21.-22. Woche: 4 Trainings 4 km, 1 Ruhetag, 1 Training 10 km (total 26 km), 1 Ruhetag
    • 23.-24. Woche: 2 Trainings 3 km, 1 Training 8 km, 1 Ruhetag, 2 Trainings 3 km, 1 Training 8 km (total 28 km)
    • 25. Woche: 5 Trainings 4 km, 1 Ruhetag, 1 Training 13 km (total 33 km)
    • 26. Woche: 1 Ruhetag, 4 Trainings 4 km, 1 Ruhetag, 1 Training 8 km (total 24 km)
    • 27. Woche: 5 Trainings 4 km (total 20 km), 2 Ruhetage eingeschaltet nach freier Wahl
    • 28. Woche mit Rennen: 3 Trainings 3 km, 1 Ruhetag, die letzten 2 Tage vor dem Wettkampf nur je 1 km (total 11 km).

Techniktipps und Motivatoren: 
So viel wusste ich, bevor ich mit der Vorbereitung auf die 26,4km-Strecke in Zürich anfing: Marathonschwimmer trainieren in Teilen anders als Beckenschwimmer und auch anders als Leute, die sich im Freiwasser an Distanzen bis 10 Kilometer wagen. Und so sehr viele Marathonschwimmer gibts da, wo ich wohne, nicht. Also sah und tat ich mich ein wenig um:
  • Langstreckenspezifische Technikhinweise fand ich vor allem bei Swimsmooth (im Blog und im Buch)
  • Austausch: Kontaktmöglichkeiten mit und Tipps von anderen Langstreckenschwimmern gibts unter anderem bei Marathonswimmers.org und bei Facebook, hier zum Beispiel in den deutschprachigen Gruppen "Langstreckenschwimmer" und "Extremschwimmer". Und Schwimmevents sind natürlich immer gut, um Kontakte zu vertiefen oder neue Leute kennenzulernen.
  • Trainingscamps: Mal abgesehen von den spezifischen Schwimmeinheiten (bis zu sechs Stunden am Stück im Freiwasser) und idealen Bedingungen (Meer oder anderes offenes Gewässer, Wassertemperaturen unter 20 Grad) ist es einfach toll, andere Marathonschwimmer zu treffen.
  • Trainingspartner und Mentoren: sind Gold wert. Sie finden das Vorhaben total normal, kennen sich im Idealfall selbst mit solchen Distanzen aus, haben immer ein offenes Ohr und können gut motivieren. Neben den Leuten aus meinem Verein und Trainingspartnerin Ines konnte ich bei Bedarf auf einen erfahrenen australischen Schwimm-Coach zählen. Mentoring per Mail: feine Sache, das.

DER AUFWAND:

Das liebe Geld
Etwa 4.000 Euro hat mich die Schwimmerei von Januar bis August gekostet. Trainingscamps, Eintrittsgelder, Startgebühren, Reisekosten und Ausrüstung inklusive.
Und ja, es wäre wohl auch deutlich günstiger gegangen: Eines der beiden Trainingscamps, ein paar Schwimm-Gadgets und ein Teil der Zürich-Reisekosten (Hotel) waren sehr hilfreich, wären so aber nicht absolut notwendig gewesen. 

Aufgedröselt sieht das in etwa so aus:
  • Ausrüstung: 5 Schwimmanzüge (ca 200 Euro), 5 Schwimmbrillen (100 Euro), Taktgeber "Wetronome" (40 Euro); GPS Device (200 Euro); Flossen, Pull Buoy, Sonnencreme, Gels, Eiweißriegel und Sonstiges (150 Euro)
  • Eintritt Bäder (250 Euro)
  • 2 Trainingslager (1.000 und 500 Euro)
  • Startgelder Trainingsevents (150 Euro) und Fahrt-/Übernachtungskosten (200 Euro)
  • Sportmassagen (150 Euro)
  • Sri Chinmoy Marathon Schwimmen Zürich: Startgeld, Begleitboot und Doku-DVD (400 Euro), Reise- und Nebenkosten (600 Euro)

Der zeitliche Aufwand

Der Gesamtaufwand dürfte bei etwa 730 Stunden gelegen haben.
Auch das lässt sich weiter aufdröseln.

400 Trainingskilometer (ohne Trainingsevents und -camps):
  • Zeit im Wasser: je nach Trainingsschwerpunkt 20-30min/km, insgesamt ca 150h.
  • 60 Minuten je Einheit (ca 80 Einheiten gesamt) für Anfahrt, Umziehen und Haare trocknen.
Macht 230 Stunden.

100 Kilometer in Trainingsevents und -camps und in Zürich:
Nochmal 500 Stunden. Davon nur ca 40 im Wasser, der Rest kommt durch die umgewidmeten Wochenenden und Urlaubstage zusammen.

Nicht berücksichtigt sind die vielen Stunden, die ich gelesen hab: Im Marathonschwimmerforum, in Schwimm-Büchern, bei Facebook und vor allem in den doch erstaunlich vielen (Trainings-)Blogs, die insbesondere von Ärmelkanal-Aspiranten mit viel Akribie geschrieben werden.


DAS FAZIT
Es hat sich gelohnt!

Soviel zu Teil I. :-) 

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