Samstag, 22. März / Sonntag, 23. März. Ich schnappe einige Sekunden
lang nach Luft, bevor sich meine Atmung allmählich
normalisert. Noch zwei, drei Armzüge Rücken, dann erst drehe ich mich in die
Bauchlage und kraule hinter Tom, Jo und Phia her, Sue hält sich direkt neben
mir. Ich halte den Kopf unter Wasser viel zu hoch, aber falls in dieser Bucht Feuerquallen unterwegs sind, will ich ihnen ausweichen können. Wegen der einsetzenden
Dämmerung und auch wegen der drei Schwimmer vor mir sehe ich allerdings nicht viel. Und warm wird mir auch nicht. Bei Wassertemperaturen um14 Grad nicht weiter verwunderlich.
„Warum mache ich das?“ frage
ich mich prompt, wohl wissend, dass das hier nur der Anfang ist. „Das hier“ ist
eine kleine Akklimatisierungsrunde in der Bucht vor unserem Hotel. Sie läutet mein
drittes Langdistanztraining mit Swimtrek ein. Vor mir und meinen vier Mitschwimmern sowie unseren Betreuern Fiona, Kevin und Trish liegen viereinhalb Tage Mallorca. Geplant sind insgesamt rund 16 Stunden im 13-15 Grad kalten Mittelmeer. Und zwar ohne
Neoprenanzug. Ich muss mir die langen Stunden im kalten Wasser nicht unbedingt antun, für dieses Jahr habe ich keine echte Langdistanz geplant. Zumindest keine nach den Maßstäben von Marathonschwimmern (ab 25km) oder Ärmelkanalaspiranten (Luftlinie: 34km). Und in wirklich kaltem Wasser werde ich in dieser Saison auch nicht schwimmen. Ich will eigentlich nur mal wieder "draußen" schwimmen.
An diesem ersten Abend unserer
Trainingswoche drehen wir nur eine kleine und glücklicherweise
quallenfreie Runde von vielleicht 300 Metern. Fiona, Kevin und Trish beobachten
uns derweil vom Strand aus. Die Begrüßungsrunde und auch die
Sicherheitseinweisung haben wir da schon hinter uns. Nach diesem ersten kurzen
Wasserkontakt geht’s zum gemeinsamen Abendessen und einer ausführlichen
Vorstellungsrunde ins Hotelrestaurant.
Am nächsten Morgen um treffen
wir uns um sieben Uhr am Hotelpool, um für die spätere Videoanalyse gefilmt zu werden. Das Wasser in dem unbeheizten Pool hat
gerade mal 13 Grad. Beim Frühstück sind wir dann hellwach.
| Tag 1, morgens um 7 Uhr. "Filmarbeiten" für die spätere Videoanalyse. Wassertemperatur: 13 Grad. |
Um 9 Uhr sind wir wieder in
der Bucht, die erste richtige Einheit steht an. Dauer: 60 Minuten. Das Programm
lautet: Runden drehen. Fiona und Trish beobachten uns dabei jeweils von einem
kleinen motorisierten Boot aus, Kevin hat uns vom Strand aus im Blick.
Es läuft gut für mich in dieser ersten Stunde. Die Kälte wird nach etwa 50 Minuten unangenehm, davon mal abgesehen schwimme ich aber völlig entspannt. Kein Wunder: Es sind immer noch keine Feuerquallen zu sehen.
Es läuft gut für mich in dieser ersten Stunde. Die Kälte wird nach etwa 50 Minuten unangenehm, davon mal abgesehen schwimme ich aber völlig entspannt. Kein Wunder: Es sind immer noch keine Feuerquallen zu sehen.
Zurück an Land merken wir schnell,
dass Jo mit der Kälte zu kämpfen hat und Anzeichen einer leichten Unterkühlung
zeigt: Sie wirkt desorientiert, fast schon apathisch und macht keinerlei Anstalten,
sich umzuziehen. Das erledigen Trish und Fiona dann sehr zügig, legen
zusätzliche Decken um sie und halten ihr einen Becher mit Kakao an den Mund. Selbst
halten kann sie den nicht, weil ihre Hände zu sehr zittern. Meine anderen
Mitschwimmer haben so etwas noch nicht gesehen und sind entsprechend geschockt.
Deswegen gibt es gleich an Ort und Stelle einige Erläuterungen von Kevin und
Fiona zum Thema Unterkühlung. Eigentlich war dieser Theorieteil erst für den
Abend vorgesehen.
Jo erholt sich sehr schnell. Sie muss unseren
Betreuern aber versprechen, ab jetzt erstmal nur noch im Neoprenanzug zu schwimmen. Für klassische Ärmelkanalaspiranten wäre das undenkbar, für sie geht das aber völlig in Ordnung. Ihre Ärmelkanalquerung wird eh im Neoprenanzug stattfinden. Allerdings wird sie nur ca 12 Stunden vor ihrem Schwimmstart
von London nach Dover gelaufen sein und nach der Ärmelkanalquerung will sie noch nach Paris radeln. „From Arch to
Arc“ heißt dieser Triathlon der besonderen Art. Ein Unterfangen, das bislang erst vier Frauen gelungen ist. Wer ihr Training
verfolgen will, kann das übrigens auch bei Twitter tun.
Nach dieser ersten
Schwimmeinheit folgen Videoanalyse und Tipps fürs Schwimmen in kaltem Wasser. Mir wird ans Herz gelegt, die Frequenz meiner Armzüge von etwa 48 pro Minute auf 52 oder mehr zu erhöhen. Dann gibt es Mittagessen und kurz darauf sind wir schon wieder im Wasser, diesmal aber gleich zwei Stunden am Stück. Dabei gibt uns Kevin alle
halbe Stunde vom Strand aus das Signal fürs „Feeding“. Das besteht jeweils aus
einem Becher mit dem Ärmelkanalschwimmer-Carbodrink „Maxi“ (früher „Maxim). Ich
vertrage das Zeug gut, andere müssen sich erst an den Geschmack gewöhnen.
In der ersten Stunde komme ich gut klar, in der zweiten wird mir richtig kalt. Viel kälter, als ich es von meinen Langdistanztrainings in 2012 und 2013 in Erinnerung habe. Aber da war das Wasser auch jeweils ein bis zwei Grad wärmer. Ich balle bei jedem Armzug meine Hand zur Faust, um die Blutzirkulation anzukurbeln. Viel bringt es nicht. Irgendwann sind auch diese beiden Stunden um und wieder hab ich keine einzige Qualle gesehen. Ich kanns kaum fassen, hatte ich mich doch schon auf eine erneute Feuerquallenplage eingestellt und extra ein paar Bücher eingepackt. Für mich stand nämlich schon vor Wochen fest: Bevor ich wiederholte Begegnungen mit Feuerquallen riskiere, bleibe ich lieber im Hotel oder mache mich auf dem Boot nützlich.
In der ersten Stunde komme ich gut klar, in der zweiten wird mir richtig kalt. Viel kälter, als ich es von meinen Langdistanztrainings in 2012 und 2013 in Erinnerung habe. Aber da war das Wasser auch jeweils ein bis zwei Grad wärmer. Ich balle bei jedem Armzug meine Hand zur Faust, um die Blutzirkulation anzukurbeln. Viel bringt es nicht. Irgendwann sind auch diese beiden Stunden um und wieder hab ich keine einzige Qualle gesehen. Ich kanns kaum fassen, hatte ich mich doch schon auf eine erneute Feuerquallenplage eingestellt und extra ein paar Bücher eingepackt. Für mich stand nämlich schon vor Wochen fest: Bevor ich wiederholte Begegnungen mit Feuerquallen riskiere, bleibe ich lieber im Hotel oder mache mich auf dem Boot nützlich.
Den Rest dieses Tages friere ich vor
mich, trotz mehrerer Lagen Klamotten und meiner Daunenjacke. Das Abendessen und
die Fortsetzung der Theorieeinheit zum Thema „Unterkühlung“ lenken davon nur
bedingt ab. Ich bin froh, als ich irgendwann ins Bett kann und schlafe sofort
ein.
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